Was ist ein »Ort zum Leben« ?
Ein Ort, an dem Menschen gemeinsam ihr gesamtes menschliches Potenzial erforschen und entfalten, um ein natürliches und selbstloses Leben zu führen, das den Gesetzen des Lebens folgt und das friedliche Miteinander aller Wesen fördert.
Ein Ort, an dem wir keine Geschäfte machen, an dem wir weder unsere Fähigkeiten, unser Wissen, unsere Gaben noch irgendwelche Ware verkaufen. Ein Ort, an dem Geld und Wirtschaftlichkeit eine
untergeordnete Rolle spielen, an dem wir einander schenken, was wir haben und brauchen und erforschen, wie wir auf diese Weise sinnerfüllt und gut leben können.
Ein Ort, an dem Menschen sich ganz der Entwicklung und Erweiterung ihrer geistigen Fähigkeiten wie ihrer seelischen und körperlichen Gesunderhaltung widmen, alte Traditionen, Handwerke, Künste und
Wissen sammeln, praktisch erproben, einander vermitteln und selbst neue Wege und Methoden finden und umsetzen können.
Ein Ort, an dem alle Lebewesen und das Leben selbst als zu achtende und zu schützende »Werte an sich« begriffen und behandelt werden, und an dem die Beziehung der Menschen zu sich selbst, zu ihren
Mitmenschen und zur gesamten Umwelt von den Prinzipien bestimmt wird: nicht verletzen, nicht diktieren, nicht manipulieren.
Ein Ort der Stille, der Poesie und der Kreativität, an dem man lernt, indem man schaut und lauscht, folgt und geschehen lässt, und an dem man lehrt, indem man verinnerlicht, begreift, offenbart und
[mit]teilt.
Ein Ort der Lebensfreude und Lebensbejahung, an dem Gesang, Musik und Tanz alltäglich, Freude und ein Lächeln selbstverständlich und Äußerungen von Zuneigung und Mitgefühl ganz natürlich sind.
Ein Ort, an dem sich Menschen nicht allein, nicht in Angst, nicht in Unmündigkeit oder Unklarheit lassen, an dem sie einander nicht gestatten, sich hinter ihren Meinungen, ihren Beschränkungen und
ihren Gewohnheiten zu verstecken, sondern an dem sie sich einander offenbaren, einander zumuten und einander fordern.
Eine Gemeinschaft der Gebenden, die einander nicht vorenthalten, was sie möchten und was sie brauchen, die das, was sie haben, was sie wissen und was sie sind, einander geben und zur Verfügung
stellen, und die in Anspruch nehmen, was ihrem Heil und ihrer Menschlichkeit dient.
Eine Gemeinschaft von Menschen, die nicht an eine sie beschränkende Gesinnung oder Konfession gebunden sind, die sich als »Mensch« und als Teil eines großen Seins und als miteinander verbunden,
voneinander abhängig und als eines begreifen; Menschen, die sich von Mensch zu Mensch, von Herz zu Herz begegnen wollen, ohne dabei einander erhöhen oder erniedrigen, etwas darstellen oder etwas
legitimieren zu müssen.
Ein Ort der Besinnung, den jeder aufsuchen kann, der sich selbst begegnen, seine Bestimmung finden, etwas Wesentliches tun, etwas Neues entdecken, Gemeinschaft oder Allein-Sein erfahren will.
Ein Ort der Zuflucht, der allen Menschen offen steht, die einfach einmal »raus« wollen, die nicht ein noch aus wissen oder nicht mehr, wohin; die genug haben, die es leid oder am Ende sind, die einen
»geschützten Raum« brauchen, um wieder zu sich und in diesen Augenblick zu finden.

